Mein (un)glamouröses Leben als Stewardess

Viel habe ich hier über meinen Beruf noch nicht geschrieben, weil es nicht so wirklich passte, man ist ja Blogger. Aber nein, es gibt noch das reale Berufsleben neben dem Bloggen. Eine Tätigkeit mit der man sich den Lebensunterhalt verdient, insofern man kein populärer Blogger ist, der vom Bloggen leben kann. Aber wie viele aktive Blogger können das schon von sich behaupten?

Seit 15Jahren übe ich diesen Beruf nun aus. Ursprünglich wollte ich nach meinem Studium nur reinschnuppern und ein bisschen die Welt erkunden, aber ich bin „hängengeblieben“. Unser Arbeitsalltag wird oft rosiger beschrieben, als er eigentlich ist. Denn wir fliegen nicht um die Welt, um vor Ort in der Sonne zu liegen, shoppen zu gehen oder Sightseeing zu machen. Dafür reicht meist die Zeit nicht, die man idealerweise zum Schlafen nutzt. Auch fliegen wir nicht for free privat auf einsame Inseln oder in aufregende Metropolen. Dieses Privileg ist längst dem Sparstrumpf zum Opfer gefallen. Gesundheitliche Probleme und soziale Isolation sind vorprogrammiert.

Meine Arbeitszeiten ändern sich ständig. Ich muss in Kauf nehmen, dass ich Geburtstage und Familienfeste verpasse. Auch neue Beziehungen, ob partnerschaflich oder freundschaftlich, aufzubauen, ist schwierig bis unmöglich. Und gerade als Mama hat man es in diesem Beruf besonders schwer. Auch wenn ich nur in Teilzeit fliege, ohne gute Betreuung zu Hause, ist dieser Job undenkbar.

Nach Feierabend leiden viele unter Einsamkeit, weil die Vertrauensperson, der Partner oder die Freunde nicht greifbar sind. Selbstverständlich unternehmen wir auch was mit den Kollegen, aber das sind meist oberflächliche Bekanntschaften.

Dennoch liebe ich diesen Beruf, weil kein Monat wie der andere ist. Weil ich gerne mit Menschen zusammenarbeite, und weil ich zeitweise geniesse dem Alltag zu entfliehen.

Und aus gegebenem Anlass: Ja, ich streike. Ich streike für unsere Übergangsversorgung, in dessen Kasse ich bereits seit 15Jahren einzahle. Ich bin ein loyaler Mitarbeiter und verrichte gerne meine Arbeit und stehe zu meinem Arbeitgeber. Deshalb bestehe ich auf meine Altersversorgung.

In diesem Sinne. Always happy landings.

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One thought on “Mein (un)glamouröses Leben als Stewardess

  1. Richtig so! Denn Du als Mama in Teilzeit, trotz einiger Jahre Vollzeit, bist das beste Beispiel, wie frauenfeindlich das neue Versorgungsmodell ist, was die Geschäftsleitung anbietet. Die 28 Jahre Einzahlung in Vollzeit, wirst Du auch mit über 70 nicht erreichen, ergo mega Abschläge und Altersarmut.

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